Aller Anfang, oder die Sache mit dem Eisen …

Mein Name ist Christian Kunert, ich bin hauptberuflich als selbstständiger Diplom-Designer tätig und ich arbeite mit Hammer und Amboss seit Mitte 2013. Und so bin ich zum Schmieden gekommen… Meine Familie (meine Frau Christine und unsere Söhne Kajetan und Leopold) macht seit nahezu einem Jahrzehnt Mittelaltermusik und ist in der Szene aktiv und weit bekannt. Über die Jahre haben sie sich unter dem Namen „Gugelhupf – Spielleute des Hochmittelalters“ (www.gugelhupf-spielleute.de) einen Namen gemacht und arbeiten derzeit an der zweiten CD. Mit dem musikalischen Erfolg wuchsen auch die Entfernungen zu den Spielorten und wir schafften uns ein echt großes Mittelalterzelt an, um stilecht auf den Mittelaltermärkten lagern zu können. Bei der Erstausstattung des Zeltes waren Holzheringe, die sich beim ersten Einschlagen im felsigen Untergrund der Burganlage zu Dillenburg zur Hälfte in den Heringshimmel verabschiedeten. Wütend und enttäuscht entschied ich mich aus der Situation für die direkte Anschaffung von „vernünftigen“ Heringen aus Stahl. Nach einiger Recherche stellte ich fest, dass der geplante Heringskauf in seinem monitären Umfang nicht in meinem Budget vorgesehen war. So beschloss ich die Sache selber in die Hand zu nehmen und fuhr dazu völlig blauäugig und naiv in den nächsten Stahlhandel. Nach kurzer Beratung verließ diesen mit 18 m 14er Vierkant und einem vagen Plan, wie ich aus der Stangenware meine Heringe machen könnte. Da ich durch meinen Job ständig mit der Findung von kreativen Lösungen konfrontiert bin, war ich bezüglich dem Bau einer noch nicht vorhandenen Esse, einem alternativen Amboss und der Suche nach einem geeigneten Hammer in meiner bis dato überschaubaren Werkstatt auf einem guten Weg. Ein ausgedienter Billiggrill ohne Beine, ein nur noch kaltblasender Heißluftföhn, ein Stück Bahnschiene, das bisher ungeachtet im Garten lag und ein 1 Kg Fäustel wurden rasch zu meiner „Schmiedeerstausstattung“ umfunktioniert. Los gings also und der erste Sack Grillkohle war schnell verheizt. Aus den ersten dilettantischen Versuchen gezielt und gewollt „Umformungen“ am Vierkant vorzunehmen,  wurden langsam Heringe. Mit jedem fertigen Bodenanker wuchs mein Spaß am Schmieden und ich dachte bei mir, dass etwas fachmännische Anleitung und passendes Werkzeug mich sicher voranbrächte. Mit meinen Herings-Erstlingswerken ging es auf die nächsten Mittelaltermärkte und ich verbrachte meine Zeit  bei den Schmieden während meine Frau und die Jungs musizierten. Ich habe viel Geschmiedetes  gezeichnet und mir die Abläufe eingeprägt, manches erklären und mir auch einiges Neues einfallen lassen ohne zu ahnen, wie kompliziert es zu schmieden sei.  An dieser Stelle vielen Dank an meine „Mentoren“ Nico, Markus, Stefan und all die anderen Ungenannten, die mir fachmännischen Rat und Anleitung gaben und mich gerne auch mal zum Ausprobieren an ihren Amboss ließen. Ohne Euch wäre es nie soweit gekommen – Danke! Mittlerweile fahre ich mit meiner eigenen „Historischen Feldschmiede“ selbst auf Mittelalter- und Kunsthandwerkermärkte und Ortsfeste versuche dieses wunderbare aber leider aussterbende Handwerk zu erhalten.

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  1. Günter Jacke sagt:

    Hallo Christian,
    vielen Dank für deine ausführliche Beschreibung deiner Tätigkeit mit deinen so genialen Zeichnungen.

    Am Samstag in Bad Neustadt war’s.

    Ich denke, dass du mich inspiriert hast wieder selbst mit dem Schmieden los zu legen, danke.

    Du bist so mit Herzblut bei der Sache, das steckt einfach an.

    Ich selbst probiere ständig neue Dinge aus und dann auch voller Tatendrang.

    Ich baue selbst auch traditionellen Bögen und mache viel “ ursprüngliches“ aus Holz.

    Auch aus Horn, Bein und Geweih habe mittlerweil so einiges hergestellt in reiner Handarbeit.

    Wer weiß, vielleicht sieht man sich mal auf einem mittelslterlichen Markt, ich dann auch zum aktiven Darstellen.

    Beste Grüße
    Andrea und Günter aus Hamburg

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